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Offener Brief an das Regierungspräsidium Gießen

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Tongrubenbetriebe in Haiger-Langenaubach
Trinkwasserversorgung Langenaubach 

 

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident Dr. Ullrich
Im Haigerer Stadtteil Langenaubach werden zwei Tongruben betrieben, die Tongrube „Stoß“ sowie die Tongrube „Iphigenie“

.
1. Tongrube „Stoß“
Gravierende Ereignisse in den letzten Jahren im Bereich der Tongrube „Stoß“, bei denen auch das Ihnen unterstellte Bergamt involviert war und ist, veranlassen uns, direkten schriftlichen Kontakt mit Ihnen aufzunehmen. Wir tun dies in erster Linie, um gemeinsam mit Ihnen weiteren Schaden von der Stadt Haiger und vor allen Dingen weiteren Schaden für die Trinkwasserversorgung des Stadtteils Langenaubach abzuwenden.

 

Nachstehend möchten wir Ihnen die Ereignisse kurz schildern:
Bereits 2010 ereigneten sich im Bereich der Tongrube „Stoß“ erste größere
Erdabsenkungen/Erdrutsche. Behördenvertreter sprachen damals davon, dass die Ursache wahrscheinlich von tektonischen Ereignissen, unterirdischen Höhlen oder Stollen ausging. Das haben ortskundigen Bürger damals schon für Quatsch gehalten. Ein Bürger hat dann beim Leiter der Bergaufsicht angerufen und vor Gefahren für die Trinkwasserquelle „Gewenn“ gewarnt, die oberhalb der Tongrube liegt. Eine Reaktion seitens des Bergamtes gab es darauf natürlich nicht. Weitere Erdrutsche folgten, mit schlimmsten Folgen.

 

Anfang März 2013 erfuhren die Kommunalpolitiker vom damaligen Bürgermeister Dr. Zoubek, dass schon seit dem 20. Dezember 2012 kein Wasser mehr in die Wasserfassung „Gewenn“ fließen würde und Langenaubach mit Wasser aus dem "Haasenstollen" versorgt werden müsse. Der Haasenstollen wurde in 2007 geschlossen, weil die Wasserqualität nicht den damaligen Vorgaben entsprach. Daß dafür eine sehr teure Wasseraufbereitung eingesetzt werden musste, ist hinreichend bekannt und muß auch nicht mehr weiter ausgebreitet werden.
Eines aber noch dazu: Der vorher schon erwähnte Langenaubacher Bürger rief nun wieder beim Bergamt an und teilte mit, dass jetzt das eingetreten sei, wovor er in 2010 schon gewarnt habe, nämlich dass die Trinkwasserquelle „Gewenn“ zerstört sei.


Als Antwort erhielt er, „das sei doch nicht schlimm, die Stadtwerke Haiger hätten doch schon Ersatz gefunden“. Also, dieser Bürger und auch wir, halten es für eine Katastrophe, wenn eine Trinkwasserquelle zerstört wird und die Aufsichtsbehörde bleibt tatenlos. Das Trinkwasser kann kein Ton der Welt ersetzen, schließlich ist es das Lebensmittel Nr. 1. Weil von Behörden keine Hilfe kam, hat sich eine Bürgerinitatiative in Langenaubach gebildet, die dafür kämpft, die Wasserfassung "Gewenn" zu reaktivieren, und inzwischen ist
ausreichend Wasser gefunden. Das Problem, welches weiterhin ansteht, ist der weitere Tonabbau. In 2013, 2014, 2015 sowie auch 2016 gibt es immer wieder Erdrutsche im Bereich der Tongrube „Stoß“. Dies ist dem Bergamt auch durch die Stadt Haiger immer wieder gemeldet worden.


Bis heute hat das Bergamt dem Grubenbetreiber jedoch keinen Abbaustopp erteilt. Es wird weiter gebuddelt und weiter rutscht nicht nur Erde ab, sondern auch ganze Waldbestände und Waldwege. Wir gehen davon aus, dass das niemanden im Bergamt interessiert. Wie lange will das Bergamt noch warten? Bis dass der ganze Berg abgerutscht ist? Unseres Wissens nach hat der Tongrubenbetreiber beim Bergamt sogar einen neuen Antrag gestellt auf Erweiterung des Abbaugebietes. Das muß auf jeden Fall verhindert werden. Hier muß es ganz klar heißen:


„Trinkwasser geht vor Ton“


Das hat Bürgermeister Mario Schramm richtigerweise bereits auch so dem Bergamt gegenüber deutlich formuliert.


2. Tongrube „Iphigenie“:


In unmittelbarer Nähe dieser Tongrube befindet sich das Wasserschutzgebiet "Trieschberg", dem zweiten Standbein der Langenaubacher Trinkwasserversorgung. Hier wurde der Tonabbau soweit vorangetrieben, dass auch hier bereits Erdabsenkungen/Erdrutsche erheblich über die genehmigte und gepachtete Abbaufläche hinaus gehen. Diese Erdrutsche befinden sich jetzt schon näher am genannten Wasserschutzgebiet als auf der gegenüberliegenden Talseite bei der Grube „Stoß“, wo bekanntlich ja der Verlust der Trinkwasseranlage "Gewenn" die schlimmen Folgen dieser Erdrutsche war..
Wenn bei der "Iphigenie" weiter Ton abgebaut wird, ist absehbar, dass es zu weiteren Erdrutschen kommt, welcher dann auch für die Trinkwasserversorgung „Trieschberg“ gefährlich würde.
Die Stadt Haiger hat den Pachtvertrag fristgemäß zum 31.12.2016 gekündigt. Wir haben jedoch große Sorge, dass bis dahin der zunehmende Tonabbau die bereits eingetretenen Schäden am Stadteigentum wesentlich erhöht und der Bürger wiederum die Zeche zahlt. Auch hierüber ist das Bergamt bestens informiert, man vermisst aber bis heute entsprechende Reaktionen. Zumindest vor Ort sind keine Änderungen erkennbar, selbst die Pachtgrenzen werden unter ihrer Aufsicht nicht eingehalten, wie wir uns kürzlich selbst vor Ort überzeugen konnten.

Weiterhin ist festzustellen, dass im Zuge der Rekultivierung immer wieder Aushub und Bauschutt angefahren und abgeladen wird. Hier gibt es keinerlei Kontrolle hinsichtlich der Inhaltsstoffe und deren Unbedenklichkeit für die Umwelt. Auch diese Tatsache ist dem Bergamt bekannt.


Sehr geehrter Herr Regierungspräsident, wir bitten Sie hiermit, beide Angelegenheiten zur Chefsache zu erheben um diesen weiteren Raubbau an Trinkwasser und Landschaft endlich wirksam und nachvollziehbar zu verhindern. Wir sind gerne auch bereit, Ihnen die Situation vor Ort zu zeigen und zu erläutern. 

 

Wir erwarten hoffnungsvoll und gespannt Ihre baldige Rückantwort
Nachrichtlich: Wir leiten diesen offenen Brief auch der Lokalpresse zu.
Hochachtungsvoll


SPD-Ortsverein Stadt Haiger
Heinz Lemler
1. Vorsitzender
Kaiserstraße 2
35708 Haiger
Tel.: 02773 3675

 

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